shlogo
Die Geschichte der Schule

[Home]
[Eiszeit]
[Steinzeit]
[Bronzezeit]
[Eisenzeit]
[Germanen]
[Mittelalter und frĂŒhe Neuzeit]
[Moderne]
[Neueste Zeit]
[Kirchborchener Gemeindevertretungswahl 1933]
[Die PachtĂŒbernahme durch den Erbprinz von Sachsen-Altenburg]
[Die "Hamborner Kolonne" hilft beim Aufbau]
[Die Ausgliederung der Landwirtschaft]
[Das Verbot durch die Nazis]
[Der Neuanfang nach dem Krieg]
[Hamborn, Ostern 1945]
[Womit wurde in Hamborn bezahlt?]
[Impressum]
[Schloss]


von Gerhard Möllmann

Innerhalb des Bundes der Waldorfschulen stellt jede Schule eine eigene IndividualitĂ€t dar. Sie ist dabei stark von den örtlichen Gegebenheiten und dem Kreis der Persönlichkeiten, der an der Schule tĂ€tig ist, geprĂ€gt, denn es mĂŒssen ja immer die Initiativen und die Taten mehrerer Menschen zusammenfließen, wenn eine neue Waldorfschule werden soll. Wohl gibt es heute nach ĂŒber 70 GrĂŒndungen in der Bundesrepublik recht genaue Vorstellungen davon, welche Voraussetzungen erfĂŒllt sein mĂŒssen, wenn ein weiteres „Schulkind“ in den Reigen der anderen Schulen aufgenommen sein will. Doch 1945 war das anders. Unter dem Ansturm eines ganzen Weltkreises ging die DĂ€monie des Dritten Reiches zu Ende. Die durch den Krieg auseinandergerissenen Familien, Freundes- und Arbeitskreise bemĂŒhten sich, soweit man ĂŒberlebt hatte, wieder zusammenzufinden.
Schloß Hamborn war damals ein Ort, in dem sich nicht nur ehemalige Mitarbeiter mit ihren Familien einfanden, sondern auch manche Freunde, die vorher an anderen Orten tĂ€tig gewesen waren.
FĂŒr alle diese Menschen galt es nun, die einmal gefaßte Lebensaufgabe - mitzuhelfen, die von Rudolf Steiner gegebenen vielen Anregungen zu verwirklichen -auf‘s Neue zu ergreifen.
In den Familien waren Kinder herangewachsen, die zur Schule gehen mußten. Die zerbombten StĂ€dte waren fĂŒr viele Kinder keine Heimat mehr. Ihre Eltern und Betreuer suchten fĂŒr sie nach einem Ort der Geborgenheit.
Lag da nicht der Gedanke nahe, in Schloß Hamborn in den RĂ€umen des ehemaligen heilpĂ€dagogischen Instituts, dessen Arbeit 1941 durch Verbot beendet war, eine Waldorfschule mit Internat zu eröffnen? Am Lauensteintag, dem 18. 6. 1946, begann die erste noch kleine Klasse mit dem Unterricht. Durch die Einsatz- und Opferbereitschaft von Mitarbeitern, Freunden und Eltern entstand aus den zunĂ€chst einfachen und oft noch provisorischen Einrichtungen nach und nach eine ganze „PĂ€dagogische Provinz“. Der Entschluß zeigte seine Fruchtbarkeit: Die Schule wuchs.
Doch auch die Aufgabenstellung Ă€nderte sich im Lauf der Zeit. Heute hat die Schule 450 SchĂŒler. Davon wohnt die HĂ€lfte im Heim. Den andern Teil bilden Mitarbeiterkinder und SchĂŒler aus der Umgebung Paderborns.
Vor einigen Jahren wurden die Anfragen aus diesem Raume immer drĂ€ngender, aus denen eine Aufgabe erwuchs, der man sich nicht verschließen konnte und wollte: Parallel zu den sogenannten Großklassen (35-40 SchĂŒler) werden Kleinklassen (15 SchĂŒler) gefĂŒhrt, um einer sich immer dringlicher zeigenden Notwendigkeit nachzukommen, einem von Jahr zu Jahr grĂ¶ĂŸer werdenden Kreis von Schulkindern durch intensive Betreuung und therapeutische Förderung zu helfen, schon entstandene Schwierigkeiten und SchĂ€den zu ĂŒberwinden.
Eine weitere Aufgabe verlangte eine Antwort: Was will Schloß Hamborn mit seinen Feldern und Weiden und seinem Wald als Erdenort den hier heranwachsenden WaldorfschĂŒlern noch als Besonderheit fĂŒr ihren Lebensweg mitgeben?
Manches wurde versucht. Die letzte Antwort auf diese Frage fand ihre Form in dem „SchĂŒlerhof“. Epochenweise wechselnd ist jeweils die HĂ€lfte der 9. Klassen. d. h. rund 25 SchĂŒler. an vier Nachmittagen in der Woche hier tĂ€tig, um nicht nur — in WeiterfĂŒhrung des Gartenbauunterrichts, der in der 6. ‚7. und 8. Klasse erteilt wird — zu lernen und zu erkennen, wie der Mensch durch seine Arbeit der Erde und seiner Mitwelt dient, sondern auch, um unmittelbar in diesem TĂ€tigsein mit Pflanze und Tier den Jahreslauf wach und bewußt mit zu leben.
FĂŒr die SchĂŒler vom 14. Lebensjahr an ergeben sich damit — trotz der gegenseitigen Durchdringung — folgende Schwerpunkte fĂŒr die Nachmittagsepochen. d. h.. fĂŒr den Einsatz in der Schule neben dem Haupt-und Fachunterricht.
 9. Klasse Der Mensch ergreift die Erde. Pflege des Ackers, der Pflanzen und der Tiere.
10. Klasse Verarbeitung der Gaben der Erde: Durch eigenes Tun Kennenlernen der verschiedenen Handwerke.
11. Klasse VerstÀndnis der vom Menschen geschaffenen Umwelt. Kennenlernen der modernen technischen Errungenschaften.
12. Klasse Beteiligung im KĂŒnstlerischen und in dem selbstgewĂ€hlten Themenkreis der individuellen Jahresarbeit.
Der Aufbau einer Waldorfschule ist nie zu Ende. Das Leben erfordert eine dauernde Geistesgegenwart.
Auch die Rudolf-Steiner-Schule Schloß Hamborn steht immer wieder vor der Aufgabe, den sich stets wandelnden Forderungen der Gegenwart zu entsprechen.
Ein mutiges Weiterschreiten in die Zukunft, zusammen mit dem Vertrauen, den richtigen Weg zu gehen. gewÀhrleisten immer nur:
—  das BemĂŒhen jedes Einzelnen um geisteswissen­schaftliche Erkenntnis, verbunden mit der dauern­den Übung. diese Erkenntnis Tat werden zu lassen,
—  die Zusammenarbeit des Kollegiums, in der die Kenntnisse und FĂ€higkeiten jedes einzelnen in gegenseitige Hilfe, aber auch in gemeinsame Gestaltung und Formung zusammenfließen
—  und ein immer stĂ€rker werdender, mitsorgender und mittragender Elternkreis. der auch bereit ist, ĂŒber die eigene Schule hinaus die WaldorfpĂ€dagogik in der Öffentlichkeit zu vertreten.

 

(aus: 50 Jahre Schloß Hamborn, Festschrift)

Copyright dieser Seite © by Verlag Ch. Möllmann, Schloss Hamborn,                                  Impressum